Mittwoch, 8. September 2010

Toleranz - was heißt das?

Keine Angst, das wird kein weiteres Sarrazin-Gebashe. Ich empfinde es nur als wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, woher diese ganzen Probleme kommen, über die jeder spricht, und deren Lösungsansätze viel Ärger machen können. Dabei ist es doch eigentlich logisch, dass, bevor man von Lösungen spricht, sich erstmal die Wurzel des Problems anschaut.

Zu diesem Zweck möchte ich den Begriff Toleranz in zwei aufspalten, und sie mangels Kreativität zu Toleranz 1 und Toleranz 2 benennen. Denn offensichtlich sprechen wir oft von unterschiedlichen Dingen, wenn wir von Toleranz und Integration reden.

Toleranz 1 ist etwas, dass wir jedem zugestehen sollten. Er darf leben (so komisch, wie es sich anhört), seinen Geschäften nachgehen, Familien gründen und so weiter. D.h., Toleranz 1 macht an sich keinen Unterschied zwischen Otto-Normalbürger und Migranten. Der Haken ist allerdings, dass viele Toleranz 1 aufheben, wenn sie sich von dem Subjekt gestört fühlen. Diese Störung kann vieles sein, auch ein durch Vorurteile belastetes Empfinden der Person gegenüber. Und hier kommt Toleranz 2 ins Spiel.

Toleranz 2 würde beschreiben, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Zum Beispiel zu wissen, dass dieses Jahr am 11.09. die islamische Fastenzeit endet und das gefeiert wird, und nicht die Terroranschläge. Dass viele Menschen, die hier her kommen, aus ärmlichen Verhältnissen kommen, und daher wenig Bildung haben, oder ihre Bildung in Deutschland nicht anerkannt wird, und mitunter deswegen kaum Arbeit finden. Oder auch sich einfach die Mühe zu machen, darüber nachzudenken, wie man selbst auf seine Nachbarn mit Migrationshintergrund wirkt, bevor man es ihnen verübelt, dass sie nicht grüßen.
Toleranz 2 ist also eine Toleranz, die per Interaktion wirkt, und damit eine langfristigere Erscheinung als Toleranz 1. Natürlich kann man sich nicht mit jedem Menschen beschäftigen, aber es erscheint sinnvoll, dies zu tun, bevor man sich echauffiert.

Nachdem man hierrüber nachgedacht hat, darf man also in die Integrationsdebatte schreiten.

2 Kommentare:

  1. Man kann noch so tolerant sein, doch wenn Frauen mit verdecktem Gesicht (wie Verbrecher, da nach Vorfall nicht wiedererkennbar) überall umherstreifen, lang in Deutschland lebende Verkäufer mit kaum Deutsch-Kenntnissen erwarten, dass man sie irgendwann versteht, oder man in Migranten-Vierteln schon grundlos angegriffen wird, wenn man 'keiner von ihnen' ist, dann fühlt man sich in seinem eigenen Land fremd und jederzeit bedroht.

    Allein die Reaktion der Muslime auf nur die Ankündigung der Koran-Verbrennung in den USA (USA-Flaggen- und Bibel-Verbrennungen) halte ich für ein Zeichen, dass die Toleranzgrenze weit überschritten ist, was die Glaubensfreiheit angeht.

    Wenn ein Glaube über Menschenleben geht, dann ist er nichts wert.

    Ich verstehe nicht, was manche Menschen für schreckliche Dinge aus eigentlich gut beabsichtigten Schriften interpretieren.

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  2. Das ist allerdings kein Phänomen des Islam allein. Auch das Christum hat bis heute seltsame, radikale Auswüchse, deren schräge Weltansicht nur auf finanzielle Interessen der jeweiligen Gurus zurückzuführen sind.
    Und da wir wissen, wie mit denen umzugehen ist, wissen wir auch, wie wir mit radikalislamisch denkenden Menschen umgehen müssen: Bilden und aufklären.

    Zu deinem ersten Absatz: Ich habe nicht weit von hier ein Kaffee, das von arabischen Semiten betrieben wird, und mich dort mal mit einer kopftuchtragenden Frau unterhalten. Sie wollte das so, weil sie den Koran so auslegte, und ihr Mann war dagegen. Was ist dagegen einzuwenden? Klar gibt es das auch anders herum, aber in Deutschland haben wir viele Möglichkeiten, häusliche Gewalt melden zu lassen, sodass ich davon ausgehe, dass sich das irgendwann legt.

    Auch das grundlose Angreifen ist mir noch nicht passiert, und ich lebe als Student in einem Migrantenviertel. Allerdings wäre ein richtiger Umgang damit empfehlenswerter, als sich davon einschüchtern zu lassen: Melden, verfolgen lassen, und Hintergründe zu verstehen versuchen.
    Eigentlich haben wir -zumindest aus meiner Sicht- keinen Grund, sich hier fremd zu fühlen.

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