Keine Angst, das wird kein weiteres Sarrazin-Gebashe. Ich empfinde es nur als wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, woher diese ganzen Probleme kommen, über die jeder spricht, und deren Lösungsansätze viel Ärger machen können. Dabei ist es doch eigentlich logisch, dass, bevor man von Lösungen spricht, sich erstmal die Wurzel des Problems anschaut.
Zu diesem Zweck möchte ich den Begriff Toleranz in zwei aufspalten, und sie mangels Kreativität zu Toleranz 1 und Toleranz 2 benennen. Denn offensichtlich sprechen wir oft von unterschiedlichen Dingen, wenn wir von Toleranz und Integration reden.
Toleranz 1 ist etwas, dass wir jedem zugestehen sollten. Er darf leben (so komisch, wie es sich anhört), seinen Geschäften nachgehen, Familien gründen und so weiter. D.h., Toleranz 1 macht an sich keinen Unterschied zwischen Otto-Normalbürger und Migranten. Der Haken ist allerdings, dass viele Toleranz 1 aufheben, wenn sie sich von dem Subjekt gestört fühlen. Diese Störung kann vieles sein, auch ein durch Vorurteile belastetes Empfinden der Person gegenüber. Und hier kommt Toleranz 2 ins Spiel.
Toleranz 2 würde beschreiben, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Zum Beispiel zu wissen, dass dieses Jahr am 11.09. die islamische Fastenzeit endet und das gefeiert wird, und nicht die Terroranschläge. Dass viele Menschen, die hier her kommen, aus ärmlichen Verhältnissen kommen, und daher wenig Bildung haben, oder ihre Bildung in Deutschland nicht anerkannt wird, und mitunter deswegen kaum Arbeit finden. Oder auch sich einfach die Mühe zu machen, darüber nachzudenken, wie man selbst auf seine Nachbarn mit Migrationshintergrund wirkt, bevor man es ihnen verübelt, dass sie nicht grüßen.
Toleranz 2 ist also eine Toleranz, die per Interaktion wirkt, und damit eine langfristigere Erscheinung als Toleranz 1. Natürlich kann man sich nicht mit jedem Menschen beschäftigen, aber es erscheint sinnvoll, dies zu tun, bevor man sich echauffiert.
Nachdem man hierrüber nachgedacht hat, darf man also in die Integrationsdebatte schreiten.